BEA BRAUCHT ES (2) – die Abfahrt nach dem Abgang

Bea hatte ihn in den Beifahrersitz ihres Passat gestoßen, ihm ein pinkes Kondom übergestreift und sich dann rittlings draufgesetzt. Beide Hände in die Kopfstütze gekrallt, bewegte sie sich auf und nieder . . .

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Jetzt aber schnell weiter . . .

Wehrlos ließ Wotan ihre Attacke über sich ergehen. Ab und zu stöhnte er laut. In ihrem Firmenwagen war es heiß und beengt. Sie rieb sich an ihm und begann zu hecheln, dazu bewegte sie sich immer schneller. Nach einigen Minuten durchfuhren kleine Schauer ihren Körper, Bea wimmerte, verharrte regungslos, die Hände erhoben, die Finger gespreizt. Grunzend umklammerte Wotan ihre Hüften und stieß nun seinerseits heftig in sie hinein.

„Hör auf, hör auf …“, brachte sie hervor.

Sein Orgasmus glich einem unterdrückten Protestruf. Er presste die Lippen zusammen und sank zurück in den Sitz. Im Auto war nur noch sein Keuchen zu hören.

Bea kippte vornüber. Mit geschlossenen Augen, ihre Stirn gegen die Kopfstütze gelehnt, gab sie sich dem ersehnten Moment befreiender Leere hin. Flüchtiger Lohn für einen hastigen Fick. Er küsste ihr Dekolleté, dann ihren Mund. Sofort drückte Bea sich von ihm ab und rutschte auf den Fahrersitz hinüber. Wenigstens roch sein Atem nicht säuerlich.

Gig-gerüstet voran

In der Tiefgarage ging das Licht an. Stimmen waren zu vernehmen, vereinzeltes Gelächter. Lautstark über das Fußballspiel diskutiertende Geschäftsleute liefen zu ihren Autos. Der Firmenwagen stand in der hintersten Ecke, halb von einem Stützpfeiler verborgen, und war nicht einzusehen. Dennoch verhielten die beiden sich absolut still. Die Stimmen wurden leiser. Sie hörten Türenschlagen und Motoren starten.

Bea zog ihren Slip wieder an und richtete ihren Rock.

Nacheinander fuhren drei, vier Fahrzeuge davon. Als sie die Kurve zur Ausfahrt nahmen, quietschten ihre Reifen auf dem glatten Boden der Tiefgarage.

Wotan streifte vorsichtig das Kondom ab und säuberte sich mit einem Tempo, bevor er seine Hose hochzog.

Bea knöpfte ihre Bluse zu, prüfte Haare und Make-up in dem kleinen Spiegel in der Sonnenblende. Sie steckte ihren Lippenstift weg und sagte: „Es war schön mit dir.“

„Ja, es war echt schön.“ Wieder versuchte Wotan sie zu küssen.

Sie blockte ihn ab. „Mein Make-up.“

„Wohin fährst du jetzt?“

„Hör zu, ich habe kein Interesse daran, dich wiederzusehen.“

Er nickte verständnisvoll und fragte, ob sie ihn mitnehmen könnte.

„Ich soll dich nach hause bringen?“ Ein ungläubiger Ton lag in ihrer Stimme.

„Nein, das nicht, ich muss nach Frankfurt, ich habe da einen Termin.“

„Heute Nacht?“

„Morgen früh um zehn.“

„Dann fahr mit dem Zug.“

„Ich muss mit meinem Geld haushalten.“ Wotan deutete auf seine Laptoptasche. „Ich hab das Nötigste für eine Übernachtung dabei. Eigentlich wollte ich ja in der Jugendherberge pennen, aber dafür ist es jetzt zu spät.“

Was soll der Mond bezeugen?

Bea schaute auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht. Sie konnte ohnehin nicht schlafen. „Ich setze dich unterwegs am Bahnhof ab.“

Draußen schien der abnehmende Mond und für Ende Mai war es sehr warm. Weite Felder, in denen das Getreide halbhoch stand, flogen vorbei, und immer wieder schemenhaft dunkle Waldstücke. Ab und an kam ihnen ein Auto entgegen, dessen Fernlicht sie blendete.

Wotan blickte mehrfach zu Bea hinüber, schließlich sagte er:

„Ich bin seit sechs Monaten Freiberufler. Online-PR und Marketing, es läuft aber eher holprig. Diese scheiß Gig-Economy, sich andauernd von Job zu Job hangeln, ist echt nicht mein Ding.“

Bea starrte stumm geradeaus.

Er sagte: „Ich würde liebend gerne in einem großen Unternehmen arbeiten. In so ‘nem tollen Laden wie du, das wäre echt prima.“

„Bei L’Excellence? Da bist du genau richtig, Trixi ist höchsten so alt wie du.“

„Wer ist Trixi?“

„Trixi von Donner. Den Namen kann man sich nicht ausdenken. Die Kuh ist meine Chefin. Sie hat Feigwarzen, kannst sie meinetwegen liebhaben.“

„Oha. Nicht so doll was? … Vor meiner Selbständigkeit war ich bei ‘nem Start-up. Dort herrschte totaler Gruppenzwang, voll faschomäßig. Alles musste man gemeinsam machen, warste einmal nicht dabei, wurdeste gleich vor allen gedisst.“

Sie sagte: „Ich habe als Kosmetikerin angefangen und mich hochgearbeitet. Fünfzehn Jahre im Außendienst und jetzt kann ich noch mal von vorn anfangen. Mit 48. Du hast richtig gehört, ich bin 48. Was hast du geglaubt? Höchstens 38? Hab mich prima gehalten, oder? Was glaubst du, welche Chancen ich in meinem Alter noch habe? Vierzig ist das neue Zwanzig? Schwachsinn.“

Wotan blickte aus dem Fenster. „Die beiden Gründer hatten bei einem Start-up-Pitch einen Investor aufgetan und die ganze Zeit vom Börsengang rumgesponnen, damit wir bei der Stange blieben. Dabei zockt der Investor ihre ganzen Ideen ab und lässt sie verhungern. Die Bezahlung war äußerst bescheiden. Die haben einen nur ausgebeutet.“

„Ich bin geschieden, meine beiden Töchter haben vor ein paar Jahren gemeint, sie wollten bei ihrem Vater leben und sind zu meinem Ex und seiner neuen Beischläferin gezogen. Obwohl er Alkoholprobleme hat.“

Voll auf Influence

Wotan nickte und setzte eine teilnahmsvolle Miene auf, das hatte er bei dem Kurs „Aktives Zuhören – Geheimnisse der Erfolgreichen“ gelernt.

„Lieber bei dem Säufer als bei mir“, sagte Bea.

In letzter Zeit schlief sie immer weniger und dann meistens schlecht. Wenn sie völlig geplättet war, pennte sie mit Tablettenhilfe 24 Stunden an einem Stück. Ihre Verdauung bereitete auch andauernd Probleme. Ihr Leben war ein quälend langsamer Abstieg, die Zukunft düster und ungewiss.

„Ich bin meinen Job los, weil sich kleine Mädchen auf Youtube produzieren und Geld für billige Schmink-Tipps kassieren.“

Wotan sagte: „Die Teenager von heute sind eine Marke. So ist das nunmal. Sie monetarisieren ihre Marke.“

„Alles kleine Geldnutten“, erwiderte Bea.

„Und darin steckt noch ein Wahnsinnspotential. Viele Eltern geben inzwischen ihre eigenen Jobs auf, um die Influencer-Karrieren ihrer Töchter zu managen.“

Hurra, endlich Licht am Ende des Tunnels

So beschafften die sich wenigstens Arbeit, dachte Bea. Ärgerlich, dass ihre Töchter begonnen hatten, ohne sie Influencer zu spielen. Ob ihr versoffener Ex die beiden managte? Das Leben hatte sich gegen sie verschworen. Da halfen weder Sex noch Tabletten. Na, Sex vielleicht, dachte sie. Plötzlich wurde das Innere des Passat hell erleuchtet. Als Bea hinüberblickte, befanden sie sich beinahe mitten auf einer Kreuzung, vom grellen Fernlicht eines heranrasenden Fahrzeugs erfasst.

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