BEA BRAUCHT ES (4) – die Hatz beginnt

Im Anschluss an ihren schweren Crash, entdecken Bea und Wotan im zweiten Unfallfahrzeug den sprichwörtlichen Koffer voller Geld, verdammt viel Geld, das keinen kalt lässt. Den Eigentümer erst recht nicht . . .

Kaum hatte der Bodyguard das letzte Projektil in den in der Biegung der Kurve verschwindenden Toyota hineingepumpt, lief er auch schon, das Magazin seiner Pistole wechselnd, zu dem verletzten Chauffeur hinüber. Der Mann blutete am Arm, ein Streifschuss.

„Wie schlimm ist es? Muss ich etwa sterben?“, fragte er verängstigt.

„Hör auf zu Wimmern“, sagte der Bodyguard.

Er bestellte über Smartphone zwei Leute. Dann hakte er die Leiche des bulligen Räubers unter und zog sie rückwärtsgehend in die Büsche. Er half dem Chauffeur auf die Beine, um ihn hinten in die Limousine zu setzen. Er sagte, er würde ihn sofort verbinden, lief zum Renault, der die Fahrbahn blockierte und fuhr ihn an den rechten Straßenrand. Anschließend parkte er den schwarzen Mercedes S 550 direkt dahinter.

Die beiden Räuber wussten anscheinend, welchen Weg die Limousine nehmen würde und hatten gezielt die Stelle, wo der Chauffeur immer die Abkürzung durch den Wald nahm, für den Überfall gewählt. Auf der schmalen Waldstraße war so gut wie nie Verkehr, um diese Uhrzeit erst recht nicht.

Sie hatten den Renault quer zur Straße gestellt, die Fahrertür weit geöffnet. Der große Mercedes konnte nicht vorbei. Auf dem Asphalt vor dem Renault lag ein bulliger Mann. Offenbar verletzt.

„Setz zurück“, wies der Bodyguard den Chauffeur an. Er war mit der sicheren Überstellung des Koffers betraut und nicht damit, fremden Personen Hilfe zu leisten.

Im selben Moment jedoch versperrte der Toyota ihnen von hinten den Weg. Die kurze der Ablenkung nutzte der bullige Räuber, um die Fahrertür aufzureißen und dem Chauffeur eine Pistole, eine alte Makarov, bestimmt aus ehemaligen DDR-Beständen, an die Schläfe zu pressen.

Nur echt mit rotem Stern in der Griffschale

Der zweite Räuber, ein schmaler Kerl, zwang den Bodyguard seine Waffe wegzuwerfen, die er sofort einsammelte, und anschließend den Koffer herauszugeben. Die beiden Wichser besaßen recht genaue Informationen. Bestimmt hatten sie mindestens eine der vorherigen Fahrten observiert, vielleicht sogar mehrere. Sie waren folglich nicht gierig, sondern bemüht, unnötige Risiken zu vermeiden. Erfahrene Berufsverbrecher, garantiert vorbestraft. Sie rechneten allerdings nicht damit, dass es dem Bodyguard völlig egal war, ob oder wie viele Personen in Ausübung seines Auftrags verletzt oder getötet wurden. Sonst hätten sie ihn nach weiteren Waffen abgetastet. Jetzt wusste er, dass er sie finden und den Koffer zurückholen würde. Bei dem Gedanken entspannte sich der Bodyguard ein wenig.

Als er den Chauffeur verarztete, trafen die beiden herbestellten Männer ein. Die Villa ihres Auftraggebers lag nur zehn Minuten entfernt. Der Bodyguard befahl ihnen den Renault und den Toten zu durchsuchen und anschließend beide verschwinden zu lassen. Im Renault fanden sie keine weiterführenden Hinweise. Er war vermutlich extra für den Überfall gestohlen worden. Der bullige Räuber konnte anhand seiner Papiere im Portemonnaie identifiziert werden. Ein grober Fehler. Der Bodyguard würde um so schneller dessen kriminelle Vergangenheit in den Polizeiakten ausfindig machen und darüber sicher auch den Komplizen identifizieren können.

Als Nächstes tätigte der Bodyguard zwei Telefonate. Im ersten gab er eine Beschreibung und das Kennzeichen des Toyota, sowie den Namen des bulligen Räubers an einen Kontakt in der Polizei durch, im zweiten informierte er seinen Auftraggeber über den Überfall und den Stand der Dinge. Die Stimme des Auftraggebers verriet keine Erregung, als er ihn anwies, den Koffer samt Inhalt wiederzubeschaffen sowie sämtliche Spuren und mögliche Verbindungen oder Hinweise, egal wie entfernt, auf seine Person zu beseitigen.

„Der Überfall hat niemals stattgefunden.“

Der Bodyguard wiederholte die Anweisungen und versprach wörtlich, alle inkriminierende Elemente auszulöschen.

Der Renault wurde tief in die Büsche geschoben, frühestens im Herbst würde man ihn von der Straße aus erkennen können – wenn überhaupt. Anschließend verscharrten sie die Leiche im Wald. 30 Minuten nachdem der Toyota in der Biegung der Kurve verschwunden war, gab es von dem Überfall keine Spuren mehr und der Bodyguard nahm die Verfolgung auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.