DIE GROSSE ERLEUCHTE – Teil 3

Langsam geht’s ans Eingemachte, wird die Logik des Spiels deutlich …

ZWERGENKEGELN FÜR KLIPPSCHÜLER

MACHTKONZENTRATION

Erste Konsequenzen der Deregulierung waren schon in den späten 1980er Jahren abzusehen. So führte der Wegfall der Schutzmechanismen nicht, wie versprochen, zu steigendem Wettbewerb, mehr Transparenz, besserem Angebot und Service bei niedrigeren Preisen für die sogenannten Verbraucher (das sind mit Menschen mit freiverfügbarem Einkommen) – sondern zu massiven Aufkäufen von Wettbewerbern und einem Anbietersterben. Das Gegenteil der Prophezeiung trat also ein.

Die Deregulierung des kommerziellen Luftverkehrs in den USA, Anfang der 1980er Jahre, wurde zur Blaupause für alle nachfolgenden Branchen. Statt eines „freien Wettbewerbs vieler Airlines zum Wohle der Verbraucher“ bildete sich ein Oligopol weniger Airlines.

Der Markt ist eben niemals frei, sondern nur freizügig in der Aufteilung unter immer weniger Marktspielern. Die Deregulierungsbefürworter verschweigen nämlich, dass in einem so entfesselten Markt stets die vom Start weg mächtigsten und finanzstärksten Unternehmen gewinnen. Mit der Folge, die großen Konzerne machen einander nur wenig bis gar keine Konkurrenz.

Who cares?

In Deutschland belegt dies anschaulich die „Liberalisierung des Energiemarktes“. Eine EU-Vorgabe, welche die Bundesregierung brav „umsetzte“. Die Energieversorger im Besitz von Städten und Gemeinden wurden von den großen Anbietern, RWE, EON, Vattenfall und ENBW, solange unterboten, bis ihre Eigentümer, die finanziell ausgeblutete Kommunen, die Flügel streckten und die Stadtwerke an just jene Konzerne verkauften, oder ihnen eine Teilhaberschaft übertrugen, die sie kaputtgeboten hatten. Ihnen blieb keine andere Wahl.

Das Oligopol bildete sich in weniger als drei Jahren. Ein Blick auf die Gebietskarte der Bundesrepublik schafft Klarheit. Sauber nach Regionen getrennt, bereiten sich die großen Anbieter selbstverständlich nur einen marginalen Wettbewerb. (Es sind übrigens dieselben Konzerne, die gegen den Atomausstieg Sturm liefen und nun versuchen die gigantischen Rückbaukosten für ihre Kernkraftwerke zu einem großen Teil auf den Steuerzahler abzuwälzen.)

Die dritte Maxime lautet: Unregulierter Wettbewerb führt zu Oligopolen, wenn nicht zu Monopolen.

Beispiele gibt es genügend, weltweit, in nahezu allen Branchen. Man braucht sich nur den hiesigen Lebensmitteleinzelhandel anzuschauen oder die deutsche Automobilindustrie. Wie viele Computer-Betriebssysteme und Suchmaschinenanbieter gibt es? Die Gefahren der Marktkontrolle sind lange bekannt, Anti-Trust-Gesetze entstanden genau deswegen. So wurde bereits Ende der 1940er Jahre in den USA die Marktmacht der Filmindustrie, die Studios kontrollierten die Filmherstellung und den Vertrieb, per Gesetz reguliert. Sie mussten ihre studioeigenen Kinoketten verkaufen und unabhängige Produktionsfirmen zulassen. Das war der Anfang vom Ende des alten Hollywood-Studiosystems.

Apropos Konkurrenz, ist der Markt erst aufgeteilt, lassen sich problemlos Preise und Konditionen (und damit Profitmargen) abstimmen, wie jüngst die illegalen Absprachen im Stahlschienengeschäft, in der Waschmittelbranche oder der Automobilindustrie belegen. (Die Liste ist beliebig verlängerbar.) Das Kartellamt rennt immer hinterher und werden Unternehmen erwischt, dann müssen sie keine drakonischen Strafen fürchten.

Wem gehört die Welt, Woody?

Im Finanzsektor bildeten sich in der Folge der Liberalisierung riesige Banken. Too big to fail, lautet die Bezeichnung für die fünf führenden Großbanken der USA, weil ihr Zusammenbruch das Welt-Wirtschaftssystem gleich mit zusammenbrechen lassen würde. Zumindest nach Bekunden der fünf Banken und des US-Finanzministeriums (zu dessen Chef im Übrigen seit den 1970er Jahren regelmäßig ein ehemaliger Chairman der Investmentbank Goldman Sachs ernannt wird). Ein mit Erfolg geschürtes Schreckensszenario. Straftaten wie z.B. Betrug und Insidergeschäfte, mit Milliardenschäden für die Allgemeinheit, bleiben darum ohne Anklage und werden stattdessen durch Geldbußen abgegolten, deren Summen für sich genommen exorbitant erscheinen mögen, aber nur einen Bruchteil, der mit den kriminellen Praktiken erzielten Gewinne ausmachen.

Fortsetzung folgt …

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