EIGENTUM, ERBRECHT, REVOLTE – Stoff für Schauerromane

Wir werden von finanziellen Schauergeschichten dominiert, das Elend geschieht tagtäglich um uns herum. Auf die Schnelle einige bissige Überlegungen zum Schmiermittel der Welt und seiner desaströsen Einverleibung, die in nahezu jeder Crimestory eine zentrale Rolle spielt.

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Definieren wir mal Eigentum: Persönliches Eigentum = das, was man zum Leben und Überleben braucht – in nomadischen Jäger- und Sammlergesellschaften das, was man tragen konnte. Privates Eigentum = das, was darüber hinaus angehäuft wird, um sozialen Status und Einfluss zu erlangen – in gerechten und vernünftigen Gesellschaften geächtet. Öffentliches Eigentum = das, was allen gemeinsam gehört weil es lebensessenziell ist und deshalb niemandes privater Besitz sein kann.

(N. B. Obdachlose schieben demnach Persönliches Eigentum in ihren Einkaufswagen durch die Gegend, Millionäre und Milliardäre akkumulieren kontinuierlich Privateigentum in Form von Villen, Yachten, Off-Shore-Accounts etc., und Öffentliches Eigentum bezeichnet den noch nicht privatisierten Rest des Planeten (inkl. Atemluft), der laut vorherrschender Ideologie unbedingt einkassiert werden muss.)

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Die Römer brachen mit der alten Tradition des regelmäßigen Schuldenerlasses, die in anderen Kulturen, wie Sumerer, Babylonier, den Griechen, im Judentum, eine wichtige Bedeutung hatte. Jetzt konnten Gläubiger ihre Schuldner unbegrenzt in Knechtschaft nehmen, sich deren Eigentum einverleiben und/oder sie als Sklaven versilbern. Damit ließen sich auf der heimischen Scholle beinahe ebensolche Reichtümer als Privatbesitz anhäufen, wie sonst nur mit kriegerischen Raubzügen in fernen Ländern. Von dem gestohlenen Geld kauften die reichen Römer sich politische Ämter. Gegenwärtig ist auf der anderen Seite des Atlantiks Multi-Milliardär und westlicher Bilderbuch-Oligarch Mike Bloomberg im Begriff, sich die US-Präsidentschaft mit seinen Millarden zu erkaufen.

(N.B. Die Neo-Cons haben es in 40 Jahren Umverteilung von unten nach oben geschafft, offen zu „römischen Verhältnissen“ zurückzukehren und die ohnehin fehlerhafte repräsentative Demokratie in den USA komplett zu zerstören. In vielen anderen Ländern zeigen sich leider ähnlich starke Fissuren und Verfallserscheinungen.)

Eigentum ist, was man erbeutet. Julius Caesar

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Wir erkennen die Problematik des Privateigentums: Schon seit der Antike galt, wer hat, der hat, und wer nix hat, muss zusehen, dass er’s sich beschafft. Egal wie, vor allem auf Kosten anderer. Wenn er’s dann endlich hat, müssen er und seine Kinderkindeskinder es auch behalten. Und genau hier kommt das Erbrecht ins Spiel.

(N.B. Der Nexus von Schulden, Privatvermögen und Macht ist offensichtlich. Siehe hierzu David Graeber, Debt: The first 5000 Years, und Michael Hudson, … and Forgive Them Their Debts: Lending, Foreclosure and Redemption.)

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Den Startschuss zur globalisierten Ausbeutung gab 1492 die Entdeckung Amerikas für die europäische Welt durch den goldgierigen Fahrensmann Christoph Columbus. Das feudalistische Erbrecht war für dessen Finanziers, wie Königin Isabella von Spanien, Grundlage der Gesellschaftsordnung. Die neue Welt wurde kolonialisiert und ihre Reichtümer von den alten sowie den neuen Reichen, den Kaufleuten, in Europa gierig aufgesogen, wie Wasser von einem trocknen Schwamm.

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In Großbritannien wurde das feudalistische Erbrecht mit Einstieg der ersten Lords als Investoren in kapitalistische Frühabenteuer, wie der East-Indies-Company (die am 24.09.1599 gegründet, ab 1601 bei ersten Handelsschiffen die Segel setzte, und so den Startschuss zum Britischen Empire gab), in die neue Wirtschaftsordnung überführt und vom immer finanzstärkeren Bürgertum für sich beschlagnahmt.

Schauerliches London – nicht erst seit 1894

(N.B. Die Engländer hatten imperialistischen Nachholbedarf, denn 1599 waren Spanier, Portugiesen und Niederländer schon längst global auf hoher See unterwegs, betrieben Völkermord und Sklaverei und luden ihre Schatztruhen überrandvoll mit Gold.)

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Mit der Revolution 1789-99 löste die Bourgeoisie in Frankreich die Feudalherrschaft ab, übernahm zugleich für sich die feudalen Besitzstandsrechte. Im ewig hinterherhinkenden, motzigen Deutschland, dem Tigerstaat des 19. Jahrhunderts, deklarierte das Bürgertum das feudalistische Erbrecht spätestens mit Beginn der Industrialisierung als sein gutes Recht und zementierte es später im BGB, Bürgerliches Gesetzbuch, dem Hüter des Privateigentums.

Eigentum ist, was du verteidigen kannst. Charles Bronson

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Wie Proleten-Philosoph Max Säger unermüdlich doziert, ist vermögend zu werden in der realexistierenden Bundesrepublik mit Arbeit ungleich schwerer zu realisieren als durch eine Erbschaft. Die Glücksideologie des Systems verkündet dennoch unbeirrt: Jeder ist seines Glückes . . . blah, blah. Nicht nur die zahlreichen deutschen Wutwichtel, die im Osten gern öffentliche Plätze und/oder in der Restrepublik Schmähforen des Internets heimsuchen, haben den Glauben an das magische materialistische „Glücksversprechen“ verloren, der Unglaube ist inzwischen in der sogenannten „Mitte der Bevölkerung“ angekommen.

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Interessanterweise handeln die Bürger dennoch konsequent gegen ihre Überzeugungen und gegen ihr besseres Wissen, wie jüngst eine Umfrage ergab: Sie sind sich der Klimakatastrophe und rapide sinkenden Zukunftsaussichten durchaus bewusst, fürchten sich sogar davor, ändern aber aufgrund noch größerer Angst vor dem sozialen Abstieg, z.B. durch Arbeitsplatzverlust, nichts.

(N.B. Diesen Bewusstseinszustand nennt Säger schizophren. Dagegen sollen angeblich Medikamente, Alkohol, Drogen und ganzjähriger Entertainment-Karneval auf allen „Streamingkanälen“ helfen.)

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Das weltbeherrschende, kriminelle Wirtschaftssystem steht, wie die massiven globalen Proteste des letzten Jahres zeigen (in unserer „Mutti-Republik der Hasenfüße und Untertanen“ wurde eher tröpfelnd protestiert), mit dem Rücken zur Wand, behauptet aber trotzig das Gegenteil und beschleunigt den Raubbau, weil es nur durch Zerstörung überhaupt noch Profit generieren kann.

(N.B. Siehe DIE GROSSE ERLEUCHTE, Teile 1-6, Link unten . . . )

Hinter jedem Vermögen steht ein Verbrechen. Honoré de Balzac

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In nahezu jedem westlichen Land findet eine Art hysterischer “Verteilungskampf“ statt: Die verängstigten, angesichts Negativzinsen um ihren verbliebenen Wohlstand fürchtenden Bürger gegen die Arschgefickten, denen längst der Wohlstand unterm Hintern weggezogen wurde.

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Vielleicht wollen viele der Letzteren auch nur denen da oben einmal richtig in die Fresse rotzen, weil ihnen die Glücksgefühle genügen, die Wutentladung und Schulterschluss mit anderen Wutwichteln erzeugen.

Wutwichtels Drahtseilakt: losbrüllen oder losmarschieren?

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Das Establishment ist keinen homogene Klasse, sondern wie jede Kategorie ein Sammelbegriff für völlig unterschiedliche Personen und Gruppen, die aufgrund bestimmter soziologischer Kriterien, wie Einkommen, Bildung, politische Anschauung, etc. zusammengefasst werden. Das Establishment tritt nach außen nur geschlossen als Oberklasse in Erscheinung, wenn es um seine mehrheitlichen Interessen geht, wie Schutz seines Privateigentums durch niedrige Steuersätze etc.

It is immoral to use private property in order to alleviate the horrible evils that result from the institution of private property. It is both immoral and unfair. Oscar Wilde

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Die Oberklasse wäre also auszuhebeln und gegeneinander auszuspielen. Wie man sie zumindest ordentlich in Atem hält, das führen uns bekanntlich die Franzosen vor. Fehlt’s hierzulande dafür an Hirn und Mut, oder haben die meisten schon völlig aufgeben . . . ?

Aber just darin liegt der Stoff für wahre Noir-Literatur unserer Tage.

LINK: übers System und sein Versagen . . .

LINK: über den Mindset von sogenannten Führungseliten . . .

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