SUSPENSE & FUN MIT LENIN – eine Politthriller-Überlegung

Eifrige Leser kennen die These, dass Thriller im Allgemeinen konservativ sind und ideologisch dem Erhalt der bestehenden Ordnung dienen. Wer sich solch „verderblichen Schund“ antut, ist selber Schuld. Ziehen wir das „Elend des Thrillers“ auf links und erstellen uns eine thematische Blaupause für ein Spannungsformat mit dem Arbeitstitel „Thriller des Elends“, basierend auf Zitaten des alten Spassagitators und erfolgreichen Revolutionärs Wladimir Iljitsch Uljanow …

Unsere Protagonisten – die Revolutionäre

Sie verstehen sich als „Partei, die wie jede andere politische Partei auch, die politische Überlegenheit um ihrer selbst willen anstrebt.“ – Antihelden sind immer gut.

Jeder einzelne von ihnen folgt der Maxime, „man muss immer danach streben, radikaler zu sein als die Realität selbst.“ – Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft reisst das Publikum mit.

Sie halten sich gegenseitig auf Linie mit: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ – Hier ist schon der Keim des Misstrauens und der künftigen Zerwürfnisse angelegt.

Drama-Man Lenin weist den Weg

Unsere Antagonisten – das herrschende System

Der Gegner: „In jeder Klassengesellschaft, ob Sklaverei, Leibeigene oder wie gegenwärtig Lohnarbeiter (erweitern wir letztere Kategorie um alle abhängigen Billigverdiener, ob angestellt oder scheinselbständig), ist die Unterdrücker-Klasse (diejenigen mit der Macht) bewaffnet.“ – Die Schurken machen keine Zugeständnisse und wollen um jeden Preis ihre Macht erhalten.

Ihr böses Ziel ist die weitere Bündelung von Macht, „die Umwandlung von Wettbewerb in Oligopole/Monopole ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Erscheinung der kapitalistischen Wirtschaft.“ – Wir verankern unseren Stoff in der Realität (Beispiele: wie viele Konzerne dominieren die sozialen Medien?; wie viele den Online-Versandhandel?; wie viele die Energieversorgung?; wie viele den Lebensmitteleinzelhandel? etc.) und die sozialen, ökologischen und ökonomischen Probleme, die daraus resultieren.

Sie halten sich auf Kosten anderer schadlos, „die Mächtigen von heute vermeiden Steuern durch Bestechung und Beziehungen.“ – Wir vergrößern die Ungerechtigkeit, um mehr Empathie mit den Opfern zu erzeugen, idealerweise erkennt das Publikum sich selbst in ihnen wieder.

Auslösendes Ereignis – Protagonisten

Die Habenichts leiden, „ihre Verzweiflung ist typisch für jene, die die Ursache des Übels nicht verstehen, keinen Ausweg sehen und unfähig sind, zu kämpfen.“ – Die Protagonisten öffnen den Habenichtsen die Augen und schaffen dadurch die Bereitschaft zum Aufbegehren.

Auslösendes Ereignis – Antagonisten

Für die Habenden: „Freiheit in einer kapitalistischen Gesellschaft wird immer die gleiche wie in den antiken griechischen Republiken sein, Freiheit für die Sklavenhalter.“ – Die Herrschenden werden sich ihrer Privilegien bewusst und entscheiden, diese zu verteidigen.

Wendepunkt 1

Die harsche Realität der alten Welt schmerzt, weil jeder Habenichts nun klar sieht, „die bürgerliche Demokratie, obgleich ein großer historischer Fortschritt gegenüber der mittelalterlichen Gesellschaft, ist im Kapitalismus immer eingeschränkt, verkürzt, falsch und verlogen; ein Paradies für die Reichen und eine ausweglose Falle für ausgebeuteten Armen.“ – Da hilft kein Alkohol, sondern nur konsequente Aktion.

Konfrontation

Die Habenichts greifen an, „je demokratischer ein Regierungssystem ist, desto klarer wird den Billiglohnknechten, dass die Wurzel allen Übels nicht im Mangel an Rechten, sondern im Kapitalismus besteht.“ – Sie attackieren das ursächliche Problem und erschrecken die Mächtigen zutiefst.

Eskalation 1

Die Mächtigen „können sich aus jeder Krise freikaufen, solange die Mehrheit dafür bezahlt.“ – Die Mächtigen machen, was sie immer tun, sie versuchen das Problem mit Geld zu lösen.

Doch die Habenichtse wehren sich erfolgreich. – Noch stehen die Zeichen auf Sieg.

Darf bei keiner Revolution fehlen

Eskalation 2

Mit dem Rücken zur Wand, schlagen die Habenden eine neue Richtung ein, „Faschismus ist Kapitalismus im Niedergang.“ – Die aufgerüstete, paramilitärische Polizeigewalt marschiert für Ordnung, drakonische Maßnahmen zum Schutz von System und Mächtigen.

Zugleich vernebeln die Herrscher ihre Absichten, „wird eine Lüge nur häufig genug wiederholt, wird sie zur Wahrheit.“ – Sie verkaufen den „ausgerufenen Notstand“, in dem sie die Habenichtse völlig diskreditieren.

Absoluter Tiefpunkt

Die Zustimmung in der Bevölkerung schwindet, die Angst droht zu siegen, schließlich haben die Mächtigen das Geld, wer sich auf ihre Seite schlägt, dem wird es vielleicht besser ergehen. – Jetzt muss sich wahrer Charakter beweisen.

Wendepunkt 2

Weil Gier und Profit immer siegen, heißt die Geheimwaffe der Protagonisten, „die Kapitalisten verkaufen uns den Strick, an dem wir sie aufhängen.“ – Die Feinde mit ihren eigenen Waffen bezwingen, das ist glaubwürdig und schafft eine besondere Freude beim Publikum.

Das falsche Ende

Die Habenichtse nutzen das politische System, in dem Wissen, „es gibt keine Moral in der Politik, sondern nur Zweckmäßigkeit. Ein Schurke mag uns genau deshalb dienlich sein, weil er ein Schurke ist.“ – Sie führen die Mächtigen an der Nase herum und erteilen den Zauderern eine entscheiden Lektion in Sachen Erkenntnis: erhebe dich mit uns, sonst wird sich nichts ändern.

Finaler Showdown

Gezielter Einsatz von Gewalt, „ein Mann mit einem Gewehr kann 100 ohne kontrollieren.“ – Die übelsten Mächtigen werden eine gerechte Strafe für ihre Untaten erhalten, so schaffen wir ein befriedigendes Ende für das Publikum und wecken den Appetit auf mehr.

Der Franchise oder die nächsten 193 Folgen

„Kapital ist international, um es zu besiegen, ist eine internationale Allianz aller Gegner erforderlich. Wir lehnen Nationalismus und nationale Abschottung ab. Wir sind Internationalisten.“ – Damit können wir die Revolution auf jeden Kontinent und in jedes UN-Mitgliedsland (dort, wo sie noch nicht gesiegt hat) tragen, und einen im wahrsten Sinne des Wortes, internationalen Dauerbrenner kreieren. N.B. die oben erwähnten internen Konflikte der Protagonisten und die Widersprüche zwischen Idealismus und Realität bilden in jedem Abenteuer einen wichtigen Handlungsstrang – und ja, es gibt auch eine Liebesgeschichte fürs weibliche Publikum, sonst darf Männe wieder nicht gucken.

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Na, wenn das nichts ist, dann weiß ich’s nicht, wie meine selige Oma zu sagen pflegte.

Besonders das weibliche Publikum will umschmeichelt werden

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