BEZAHLSCHWEINCHEN – Szene 8

Die nächtlichen Eskapaden mit Gebieterin Astrid sind für Chris besser als ein Orgasmus. Der ist nämlich in Minuten vergessen, seine Glückshormone dagegen durchfluten ihn für Stunden. Wo hier das Problem ist? Lebensgefährtin Tonia darf um Himmels willen nichts davon mitbekommen. So wird selbst ein eiliges Frühstück zur Tour de Force . . .

INNEN. WOHNUNG CHRIS UND TONIA, KÜCHE – MORGEN

Chris und Tonia tragen Businesskleidung und frühstücken im Stehen. Es gibt Kaffee, Obst und Croissants. Chris antizipiert ihre Wünsche: Er reicht ihr eilig die Milch, sie nimmt die Milch. Er reicht ihr den Zucker, sie nimmt den Zucker. Er schneidet Obst, sie nimmt den Teller mit den Obststücken.

TONIA: Du grinst wie ein Schwachkopf.

CHRIS: Ich freue mich eben.

TONIA: Sieh an, gibt es dafür einen besonderen Grund?

CHRIS: Vielleicht, weil es schön ist, dass wir gemeinsam frühstücken?

TONIA: Es ist also nur vielleicht schön?

CHRIS: Es ist schön. Vielleicht heißt, es könnte noch mehr Gründe geben.

TONIA (fixiert ihn): Deine weiteren Gründe interessieren mich brennend.

Chris blickt sie einen Moment an, überlegt krampfhaft.

CHRIS: Es ist früher Morgen, die Sonne scheint. Du bist hier. Ich bin hier. Wir sind zusammen.

TONIA: Was sollte das gestern?

Tonia glaubt ihm kein Wort

CHRIS: Was sollte was?

TONIA: Wir sind sieben Jahre zusammen und du weißt immer noch nicht, was mir gefällt und was ich mir wünsche?

CHRIS: Selbstverständlich weiß ich das.

TONIA: Bitte sage’s mir.

CHRIS: Es ist noch früh am Morgen.

TONIA: Die Sonne scheint. Du bist hier, ich bin hier. Das ist dein Moment.

CHRIS: Das ist doch albern.

TONIA: Meine Wünsche sind also albern.

CHRIS: Das ist mir jetzt echt zu blöd.

TONIA: War ja nicht anders zu erwarten.

CHRIS: Tonia, bitte, so hab ich’s nicht gemeint.

TONIA: Wie hast du es denn gemeint?

Chris sieht sie mit leerem Gesichtsausdruck an. Quälende Stille. Tonias Smartphone-Uhr summt. Es ist Zeit …

TONIA: Nutz’ den Tag und denk darüber nach, was du gemeint hast. Bestimmt fallen dir dann auch meine Wünsche wieder ein. (nimmt Smartphone und Laptoptasche) Kriege ich zum Abschied vielleicht einen Kuss?

Chris schürzt die Lippen, um sie auf den Mund zu küssen. Tonia greift fest sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger, blickt ihm in die Augen.

TONIA: Benimm dich anständig. Bis später, Maus.

Jetzt küsst sie ihn. Als Tonia geht, ist ihre Laune wieder obenauf. Chris’ gute Laune hingegen hat sich verabschiedet.

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