BEZAHLSCHWEINCHEN – Szene 21

Tonia ist misstrauisch geworden und Chris wähnt sich sicher, weil bislang unertappt. Eine trügerische Illusion . . .

INNEN. WOHNUNG CHRIS UND TONIA, KÜCHE – NACHT

Die Luft ist rein. Die Wohnung dunkel. Niemand da. Gut gelaunt, voll freudiger Erwartung, holt Chris sich ein Getränk aus dem Kühlschrank: Kühlschrank auf, Licht an, O-Saft Flasche raus, Kühlschrank zu, Licht aus. Er trabt ins …

INNEN. WOHNUNG CHRIS UND TONIA, WOHNZIMMER – WEITER

… hechtet aufs Sofa, klappt den Laptop auf. Nur das Licht des Monitors erhellt den Raum.

Chris geht online.

Jetzt sehen wir im Hintergrund, im Halbdunkel jemand auf einem Stuhl sitzen: Tonia …

Chris setzt die Flasche an, nimmt einen Schluck O-Saft.

TONIA: Wie oft habe ich dir gesagt, „du sollst nicht aus der Flasche trinken“?

PFFFF! Chris versprüht O-Saft über Laptop und Wohnzimmertisch. Hastig klappt er seinen Laptop zu. Der Raum ist dunkel.

Tonia schaltet das Licht an. Chris schaut zu ihr.

TONIA: Check ruhig dein Konto.

CHRIS: Was … ? Warum … ?

TONIA: Um zu sehen, dass du wirklich pleite bist, Schatz.

CHRIS: Ich bin was … ?

TONIA: Du bist nicht nur pleite, du hast sogar ordentlich Schulden.

CHRIS: Ich hab was … ?

TONIA: Meinst du ich bin blöd?

CHRIS: Heute morgen hast du noch vermutet, du leidest an Alzheimer.

TONIA: Das verschwundene Geld, die Ohrringe, jetzt der Kredit.

CHRIS: Du spionierst mir nach?

TONIA: Du hast Tante Ullas Ohrringe verkauft. Stimmt’s?

CHRIS: Du schnüffelst in meinem Bankkonto herum … ? (spielt beleidigt) Das gibt’s doch gar nicht.

TONIA: Da stimme ich dir zu. Also …

CHRIS: Also, was?

TONIA: Ich möchte die Wahrheit wissen.

CHRIS: Die Wahrheit? Du spionierst mir hinterher, das ist die Wahrheit.

Tonia verschränkt die Arme. Chris windet sich, sucht nach Ausreden, Zeitgewinn, irgendwas

CHRIS: Der Job. Dieser Idiot von Guido. Umsatz, immer nur Umsatz. Dauernd Druck. Und dann diese Kunden …

TONIA: Chris! Du willst Erfolg und ich will für dich Erfolg. Wo also ist dein Problem? Steh deinen Mann, das muss ich schließlich auch.

CHRIS: Ich bin viel sensibler als du.

TONIA: Du beklaust mich? Du verkaufst die Ohrringe meiner Tante. Erbstücke!

CHRIS: Nicht verkauft … versetzt.

TONIA: Versetzt! Also doch. Du gibst es also zu?

Chris schweigt. Er hat schon viel zu viel gesagt.

TONIA: Wie sensibel ist das? (Pause) Was machst du mit dem ganzen Geld?

Peinliche Stille. Chris steht auf, nimmt seinen Laptop.

TONIA: Ist dir das wieder alles zu blöd? (versperrt den Weg) Du kommst hier nicht eher raus, bis du mir alles erzählt hast.

CHRIS: Lass mich vorbei.

Tonia schließt die Wohnzimmertür ab, behält den Schlüssel in ihrer Hand, schaut ihn triumphierend an.

Das geht nicht gut aus, Chris

Chris legt den Laptop weg, versucht ihr den Schlüssel abzunehmen. Tonia verpasst Chris einen Schockschlag auf ein Ohr. Er jault kurz, greift nach der Schlüsselhand und bekommt einen harten Stoß auf den Solarplexus. Chris geht zu Boden, rollt sich zusammen.

TONIA (sofort über ihm): Chris, mein Lieber, hab ich dir weh getan … ?

CHRIS: Aua … wie kannst du nur … ?

TONIA: Automatisierte Reflexe.

Sie nimmt seinen Kopf in die Hände, streichelt ihn zärtlich. Er schließt die Augen und kuschelt ein wenig.

TONIA: Na, wieder besser?

CHRIS: So langsam.

TONIA: Gut.

Tonia lässt seinen Kopf los, der prallt hart auf den Boden.

CHRIS: Aua!

TONIA (steht auf): Die Wahrheit, Chris. Sofort!

Fäuste in die Hüften gestemmt, steht Tonia über ihm.

CJRIS: Ich schäme mich so …

TONIA: Wofür brauchst du das viele Geld?

Sie schaut Chris inquisitorisch an: Er ist bleich, hat hohle Wangen, wirre Haare und seine Pupillen sind weit geöffnet. Ein schlimmer Verdacht steigt auf …

TONIA: Du nimmst doch nicht etwa Drogen?

Beschämt verbirgt Chris sein Gesicht in den Händen.

TONIA: (fassungslos): Du bist … drogensüchtig … ?!

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