INS RÄUDIGE HERZ DER BESTIE – Auszug Kapitel 3

Der investigative Journalist Veit Derner hat ein Cute-Meet der furchteinflößenden Art . . .

Steht jetzt ein Mitglied dieses Killerkommandos vor mir? Bin ich ein lästiger Mitwisser, der über die Wupper muss? Mein unverschämt charmantes Lächeln jedenfalls lässt die Frau in Schwarz völlig kalt. Mit einer knappen Kopfbewegung beordert sie mich ins Wohnzimmer. Beim Rückwärtsgehen versuche ich, in ihre glitzernden, dunklen Augen und nicht in die dunkle Pistolenmündung zu schauen.

„Damit der Gesprächsrahmen gleich abgesteckt ist: Ich frage immer nur einmal. Wenn Sie die Antwort verweigern oder gar lügen, verpasse ich Ihnen ein .41-Action-Express Projektil“, sagt die Frau in Schwarz. „Die Folgen können Sie sich vorstellen.“

Ich stoße mit einer Wade gegen die Couch, setze mich langsam und erwidere: „Ich kenne die Folgen.“

„Umso besser. Welches Material hat er Ihnen übergeben?“

„Sie müssen mir schon sagen, wovon Sie reden. Mir wird andauernd Material übergeb–“

Ein .41-Action-Express-Projektil durchschlägt knapp neben meiner rechten Wade die Couch und bohrt sich dem Geräusch nach in den Fußboden.

„Er hat mir nichts übergeben!“, rufe ich laut und hebe meine Hände. „Ehrlich. Wenn Sie von OdysseUS reden, meine ich.“

Sie redet von OdysseUS und fragt: „Warum nicht?“

„So weit sind wir nicht gekommen.“

„Warum nicht?“

„Ich fand ihn nicht glaubwürdig.“

„Was hat er Ihnen erzählt?“

„Er hat behauptet, die Datenbank von XLUTION gehackt zu haben und mir Informationen über ein angebliches Killerkommando angeboten.“

„Und was fanden Sie daran nicht glaubwürdig?“

„Glaubwürdigkeit ist nicht der Punkt“, korrigiere ich mich hastig. „XLUTION ist einer der umstrittensten Military Contractor mit einer kilometerlangen Liste bewiesener Kriegsverbrechen. An dem Laden haben sich trotz Wikileaks-Enthüllungen schon viele ehrenwerte Kollegen abgearbeitet.“

„Aber nicht Veit Derner.“

„Nein, ich nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil … ich habe bisher keinen wirklich interessanten Weg ins … na, räudige Herz der Bestie gefunden.“

Sie zieht die Augenbrauen hoch.

„Ist nur so ‘ne Redewendung. Damit meine ich einen Ansatz für eine Story, den sonst keiner hat.“

„Ein brandaktueller Einsatzplan für ein Killerkommando ist für Sie kein Ansatz?“

„Ach, das ist nun wirklich die älteste Söldnerstory der Welt. Einen totgerittenen Gaul sattele ich nicht.“ Bevor sie mir eine weitere Frage stellt, sage ich schnell: „Aber das hat Ihnen OdysseUS doch bestimmt alles erzählt.“

„OdysseUS ist tot.“

„Hm-hm“, sage ich und denke unvermittelt: Und du bist der Nächste, Derner. Anschließend durchsucht sie deine Bude und lässt die wenigen Wertsachen, die Festplatten und den Laptop mitgehen, damit es wie ein unglücklich verlaufener Einbruch aussieht. Sechs Wochen später dann werden deine blau-weißen Freunde erleichtert die Ermittlungen einstellen (falls dich bis dahin jemand als vermisst gemeldet haben sollte und überhaupt Ermittlungen aufgenommen wurden).

Die Frau in Schwarz sagt: „Er war mein Bruder.“

„Das soll ich Ihnen glauben?“

Sie holt mit der linken Hand ein Samsungteil aus ihrer Hosentasche und wirft es mir in den Schoß. „Schalte es ein. Gib dann zwei, acht, sechs, vier ein.“

Das erste Foto auf dem kleinen Bildschirm zeigt einen lachenden, pickeligen jungen Mann mit Brille, Arm in Arm mit einer jüngeren, ebenfalls lachenden Frau in Schwarz. Das zweite zeigt denselben pickeligen jungen Mann tot an einem Dachbalken baumeln, einen umgekippten Stuhl zu Füßen. Die Augen sind ihm aus den Höhlen getreten, die Zunge hängt ihm lang aus dem Mund. Er hat sich in die Hosen gemacht. Schlimmer Anblick, aber ich habe schon Ekeligeres gesehen.

Ich sage: „Das tut mir wirklich leid.“

„Er hat sich nicht selbst umgebracht.“

„Hm-hm. Und wer hat –“

Wütend schneidet sie mir das Wort ab: „Er ist dir doch scheißegal. Du kanntest ihn nicht und hast ihn in eurem Chat wie Dreck behandelt.“

„Ich habe in unserem Chat meiner Skepsis Ausdruck verliehen und ihm klargemacht, wie ich mit Informanten und Informationen umgehe, um ihn und mich zu schützen.“

„Das hat nicht funktioniert.“

Offensichtlich. „Hören Sie, ich kann nur wiederholen, dass mir das, was OdysseUS widerfahren ist, wirklich lei–“

„Meinem Bruder.“

„Was Ihrem Bruder widerfahren ist, tut mir wirklich leid. Aber ich habe alle Ihre Fragen absolut wahrheitsgemäß beantwortet“, sage ich in der vagen Hoffnung, damit vom Haken zu sein.

„Du bist schuld an seinem Tod“, sagt die Frau in Schwarz.

Spinnt die? „Ich bin was …?“

„Dafür wirst du bezahlen.“

Womit sie meine ewige Frage – neuer Enthüllungsknaller oder Untergang? – beantwortet.

Jetzt hocke ich auf dieser billigen Couch, umgeben von den wenigen Habseligkeiten, die einer ansammelt, der ständig unterwegs ist und sein Leben lang ungeheuerlichen Storys hinterherjagt, und starre in eine dunkle Pistolenmündung.

Ich leide an Malaria und ein paar anderen Tropenerkrankungen, an denen ihr wegen der globalen Aufheizung bald ebenfalls Spaß bekommen werdet. Reich bin ich nur an Erinnerungen: Ich bin Kopfjägern auf Borneo entkommen und habe Schlangenbisse im Amazonas überlebt. Ich habe auf vier Kontinenten mit vom Westen als Terroristen denunzierten Freiheitskämpfern das Brot gebrochen und war mehrere Wochen auf dem Pazifischen Ozean schiffbrüchig. Ich habe Mafiosos und Drogenbarone in ihren Verstecken interviewt, als Geisel einer Berberbande auf einem Dromedar die Sahara durchritten und mit somalischen Piraten Fische gefangen. Mich kennt man in den Puffs von Bangkok bis Rio. Ich habe nichts ausgelassen. Was gibt es also noch zu erleben? Zum guten Schluss als Höhepunkt sozusagen einen erbärmlichen Abgang ohne Grandezza? Drück ruhig ab, Mädchen! So erfahre ich vielleicht, welcher Horror uns auf der anderen Seite erwartet, von der kein Reisender jemals zurückgekehrt ist.

(…)

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