KURIER – Story 11

Nachdem der Kurier überfallen und ausgeraubt wurde, überlegt er krampfhaft, was er tun kann, um heile aus der Scheiße rauszukommen. Wie sehr er auch hin und her überlegt, es gibt nur eine einzige Möglichkeit . . .

Zurück in der Stadt parke ich den Wagen am Straßenrand. Aber ich steige nicht aus, sondern bleibe wie gelähmt sitzen. Nach einer schieren Ewigkeit legt sich ein Schatten über das Fenster der Fahrertür. Ein Mann klopft an die Scheibe. Weil ich nicht schnell genug reagiere, öffnet er die Fahrertür.

Ich sage zu ihm: „Ich bin überfallen worden.“

Ohne etwas zu erwidern, schließt der Mann die Fahrertür wieder. Im Seitenspiegel sehe ich, dass er telefoniert. Dann öffnet er die Tür ein zweites Mal und sagt: „Rutsch rüber.“

Auf der Fahrt muss ich mich vorbeugen, den Kopf zwischen die Knie nehmen und mit den Händen meine Fußgelenke festhalten. Ich kann nicht erkennen, wohin wir fahren. Ich versuche es auch gar nicht. Wir erreichen offenbar eine Halle, denn ich höre, wie ein großes Tor wird geöffnet wird. Der Mann steuert die Limousine hinein, dann wird das Tor hinter uns wieder geschlossen.

„Behalt den Kopf unten“, sagt der Mann und steigt aus. Er trägt Cowboystiefel. Seine Schritte entfernen sich auf dem Betonboden. Die Sitzhaltung ist unbequem, ich kann nur flach atmen und verspüren einen immer stärkeren Drang, mich aufzurichten und tief Luft zu holen. Jetzt beginnt auch noch mein Hals zu kratzen.

Einige Zeit darauf wird die Beifahrertür geöffnet. Ein Mann packt mich brutal bei den Haaren und zieht mich aus dem Fahrzeug. Sofort schießen mir Tränen in die Augen. Hinter ihm her stolpernd umklammere ich seine Hand, sonst ist der Schmerz unerträglich. Der Mann setzt mich auf einen Stuhl und bleibt neben mir stehen. Es ist der riesige Bodyguard. Bis auf das Fahrzeug, mit dem ich gekommen bin, und dem Stuhl, auf dem ich sitze, ist die weitläufige Halle leer. Der Mann mit den Cowboystiefeln kehrt zurück und öffnet die Heckklappe, um nach einigen Sekunden aufzublicken und „Nichts“ zu sagen. Dann geht er wieder.

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„Die können dir von Anfang an gefolgt sein“, sagt die Stimme des Bosses unvermittelt hinter mir. Nachdenklich, die Hände in den Taschen, tritt er näher und schaut auf mich herab.

Ich antworte: „Nein. Ich bin mir sicher, das hätte ich gemerkt. Ich checke immer die Rück- und Seitenspiegel. Als ich sie entdeckte, dachte ich sofort an Zoll oder Zivilpolizei.“

Sie Blick fixiert mich. „Erzähl, von Anfang an.“

Ich erzählte ihm alles von dem Moment an, wo ich die beiden Lichtpunkte im Rückspiegel bemerkt habe, bis zu dem Augenblick, wo der Mann in den Cowboystiefeln an das Seitenfenster klopfte.

Regungslos hört der Boss sich meine Geschichte an. Anschließend fragte er: „Das ist alles?“

„Ich war mir sicher, sie abgehängt zu haben. Bestimmt hatte ich sie abgehängt.“

„Hattest du vielleicht auch.“

„Dann müssten sie die Routen kennen, die ich nehme.“

„Wenn sie die Routen kennen, wussten sie, wann du wo auftauchen könntest. Wie auch immer. Mich interessiert, wer die Jungs sind.“

„Nicht die … Ware?“

„Haben wir die Jungs, dann haben die Ware“, sagt der Boss. „Was davon übrig ist.“

„Vielleicht –“

„Vielleicht gehörst du zu ihnen? Vielleicht macht ihr gemeinsame Sache? Vielleicht nutzt du meine Gutmütigkeit aus oder meine Dummheit? Du brauchst doch Geld? Vielleicht hältst du mich für einen Idioten. Vielleicht sogar für einen ausgemachten Vollidioten?“

Ich bemühe mich, dem Boss unbefangen in die Augen zu schauen, auch wenn es mir extrem schwer fällt und sage: „Das würde ich nicht tun.“

„Mich beklauen oder mich für einen Idioten halten?“

„Weder das eine noch das andere.“

„Weil du dann der Idiot wärst oder einfach nur lebensmüde?“

„Ich bin nicht lebensmüde.“

„Sicher?“

„Ganz sicher.“

„Du wirst die Jungs finden. Du wirst mir meine Ware zurückbringen und du wirst für die fehlende Ware aufkommen. Kapiert?“

„Ja“, sage ich spontan.

„Weißt du überhaupt, wonach du suchst?“

„Ich kann es mir denken.“

„Lass hören.“

„Vermutlich Drogen.“

Der Bodyguard verpasst mir mit der flachen Hand einen Schlag an den Hinterkopf.

„Du suchst zwanzig Kilogramm Kokain.“ Unwillkürlich muss der Boss lächeln. „Leichtfertig ,Jaʻ zu sagen, ist beileibe kein Zeichen von Intelligenz. Und ich soll dir vertrauen?“

Hilflos zucke ich mit den Achseln.

„Verrat mir mal, wie du das anstellen willst?“

Während ich noch angestrengt überlege, sagt Boss zu seinem Bodyguard: „Kümmer dich darum.“

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