KISSINGER – INTRIGANT, LÜGNER & KRIEGSVERBRECHER

Zum Tode des Außen- und Sicherheitspolitikers überschlagen sich vor allem die aus der alten BRD stammenden Politikvollstrecker und ihre Systemjournaille vor Respektsbezeugungen. Der gebürtige Fürther war schließlich „ein Deutscher“. Einer, der es bei unseren „Freunden“ in den USA bis ganz noch oben geschafft hatte. Ein „Guter“ im Zentrum des Imperiums, dessen unermüdliches „honoriges Wirken für Völkerverständigung, Frieden und Freiheit“ sogar mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wurde. Bevor die Grube zugeschaufelt wird, tritt Max Säger kräftig nach

Henry Kissinger war 15 Jahre alt und hatte bereits fünf Jahre den arischen Rassenwahn der Nazis und ihrer feigen Mitläufer erleiden müssen, als seine Familie 1938 rechtzeitig vor Todeslager und Endlösung in die USA emigrieren konnte. Aussagen von Zeitgenossen zufolge war er ein schüchterner Flüchtling mit einem starken deutschen Akzent, den er nie ablegte.

1943 nach dem College wurde Kissinger gerade mal 20-jährig zum Militär eingezogen, landete aufgrund seiner Deutschkenntnisse schließlich bei der Army Intelligence (Aufklärung), war an der Befreiung eines KZ-Außenlagers beteiligt und half Nazi-Kriegsverbrecher aufzuspüren. Der Anblick von bis aufs Skelett abgemagerten KZ-Häftlingen verstörte den jungen Mann nachdrücklich.

Zurück in den USA studierte Kissinger in Harvard Politikwissenschaften, machte seinen Doktor und diente sich dem FBI als Spion an. Ein deutlicher Hinweis darauf, welch’ Geistes Kind er war.

Deutsche Systemmedien brav auf Linie, nur die TAZ tanzt aus der Reihe (Quelle: Suchmaschine-Screenshot, 04.12.2023)

MACHT ALS WEG

Kissingers politologisches Interesse galt der Herstellung und der Sicherung von Ordnung, genauer einer Weltordnung im Geiste Fürst Metternichs. Der alte Epauletten-Zausel tanzte bekanntlich nicht nur auf dem Wiener Kongress, sondern schuf dort mit anderen „adeligen Restauratoren“ die post-napoleonische Ordnung in Europa; von Kissinger gewürdigt in dem Buch: A World Restored: Metternich, Castlereagh and the Problems of Peace 1812–1822, das auf Basis seiner Dissertation entstand.

(N.B. Glamour, schöne Frauen und Macht faszinierten Kissinger ebenso wie sein großes Vorbild. Später ließ er in Paris und anderswo die Puppen tanzen. Dafür wurden gerüchteweise schon mal Verhandlungen verschoben oder in die Länge gezogen. Mehr über den ultimativen Starfucker, wie der Politologe Daniel Drezner ihn nannte, weiß das Tratschblatt The Hollywood Reporter zu berichten. Siehe LINK)

LINK: Macht macht scharf, die Affären und Bettgefährtinnen des kleinen Rammlers …

https://www.hollywoodreporter.com/news/general-news/henry-kissinger-hollywood-love-affairs-power-ultimate-aphrodisiac-1235704158/

Aber noch war es nicht so weit, also zurück …

Parallel zu seiner akademischen Karriere agierte Kissinger bald als Berater in Washington.

Sein strategisches Papier über die Führung von Kriegen „mit taktischen Atomwaffen“, weil damit im Gegensatz zu Eisenhowers Nuclear Overkill Retaliation Strategy „nicht so viel kaputtgeht“, sorgte damals für Aufsehen und Unbehagen. Es hätte ihn eigentlich für eine diplomatische Karriere disqualifizieren müssen. Pustekuchen, es „empfahl ihn für Höheres“ …

GESCHMEIDIGER INTRIGANT

Nelson Rockefeller fand früh Gefallen an dem ehrgeizigen Intellektuellen mit der tiefen Stimme und dem krachledernen Akzent. Kissinger arbeitete bereits ab 1958 immer wieder für den Republikaner, so auch als dieser sich 1968 um die Präsidentschaftskandidatur bewarb. Zeitgleich beriet Kissinger die demokratische Johnson-Adminstration, bezeichnete Nixon „als das Schlimmste, was Amerika je widerfahren könnte“, um sich prompt Tricky Dick anzudienen, kaum dass dieser Rockefeller bei den Vorwahlen geschlagen hatte.

Eintrittskarte: Er verriet Stand und Inhalt der laufenden Friedensverhandlungen zwischen Johnson und Nord-Vietnam an Nixons Wahlkampfteam.

Ergebnis: Nixon durchkreuzte Johnsons Pläne, versprach den Vietnamkrieg zu beenden und gewann die Wahl 1968.

Lohn: Kissinger wurde sein Nationaler Sicherheitsberater.

Der Intrigant war am Ziel. Frieden kam in Vietnam erst 1975 zustande.

Die jüdische Zeitung FORWARD zitiert Kissingers Probleme mit seiner Herkunft (Quelle: X-Screenshot, 02.12.23)

SKRUPELLOSER MASSENMÖRDER

Die nächsten acht Jahre startete Kissinger beruflich wie privat durch. Er baute seinen Einfluss immer weiter aus. Er war laut Kabinettskollegen der größte Hardliner in der Nixon-Administration, von 1973-77 bekleidete Kissinger zusätzlich zu seinem Job als Nationaler Sicherheitsberater das Amt des Außenministers. Eine äußerst seltene Machtfülle in der Außen- und Sicherheitspolitik, die er zu nutzen verstand.

Sein großes politisches Ziel: den Kommunismus zu besiegen.

Sein Vorgehen: Jede Erscheinungsform von Sozialismus und Kommunismus, wo auch immer auf der Welt mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Dementsprechend ist die Liste seiner Kriegsverbrechen ellenlang. Hier einige Auszüge:

1. Sabotage der Friedensverhandlungen von Johnson, Eskalation und Verlängerung des Vietnamkriegs. Die Schätzung vietnamesischer Opfer belaufen sich auf 2,5 – 3,5 Millionen, die USA verloren 58.000 Soldaten. Für den Friedensvertrag erhielt Kissinger den Friedensnobelpreis. Bedarf es eines eindrücklicheren Beweises, dass bourgeoise Auszeichnungen nichts bedeuten?

2. Teppichbombardement von Kambodscha von 1969 bis 1973. Die USA warfen 540.000 Tonnen Bomben ab. Kissinger genehmigt zwischen 1969-70 persönlich 3.875 Bombenangriffe. 150.000 Zivilisten kamen zu Tode. 40.000 Menschen verloren Beine und/oder Arme.

3. Planung des faschistischen Coups in Chile 1973. 20.000 Intellektuelle, Arbeiter, Linke, Gewerkschaftler wurden von Pinochet in wenigen Wochen ermordet. Insgesamt starben 40.000 Menschen. Chile wurde das Labor für die neoliberalen Wirtschaftsideen von Milton Friedman, die das Land völlig ruinierten aber die Elite bereicherten.

4. Unterstützung von Argentiniens Militärdiktatur und dreckigem Krieg 1976. 30.000 Argentinier wurden ermordet oder verschwanden spurlos.

5. Unterstützung von Indonesiens Invasion von Ost-Timor 1975. 200.000 Tote. Die USA lieferten 90% aller Waffen. 24 Jahre herrschte dort eine brutale Diktatur.

6. Pakistans Genozid in Bangladesch 1971. Insgesamt 3 Millionen Bangladeschi wurden getötet.

Wir wissen heute viel mehr über Kissingers Verbrechen, über das immense Leid, das er während seiner Jahre in zwei Administrationen zu verantworten hatte. Er gab grünes Licht für Putsche und ermöglichte Völkermorde. Er forderte Diktatoren auf, das ,Töten und Foltern schnell zu erledigen‘, verriet die Kurden und initierte die gescheiterte Entführung des chilenischen Generals René Schneider (in der Hoffnung, den Amtsantritt von Präsident Salvador Allende zu verhindern), die zur Ermordung Schneiders führte. Nach dem Vietnamkrieg wandte Kissinger sich dem Nahen Osten zu. Sein ,Wirken‘ resultierte in Chaos und bereitete den Boden für Krisen in dieser Region, die bis heute die Menschen dort heimsuchen.

(Quelle: The Atlantic, Henry Kissinger, War Criminal – Still at Large at 100 von Greg Grandin, 15.05.2023)

Außerdem sollte Kissingers Rolle 1973 bei der Durchsetzung des Petrodollars in der arabischen Welt nicht verschwiegen werden. Ein diabolisch-genialer Schachzug der Nixon-Administration: Die gesamte Welt finanziert das Imperium durch Ankauf von US-Staatsanleihen und die zwangsläufige Nutzung des Dollars als internationale Handelswährung. Damit hat Kissinger keinen geringen Anteil an der totalen Eskalation der Rüstungsausgaben und Staatsverschuldung der USA in den letzten 50 Jahren. Respekt.

ANNÄHERUNG UND ABRÜSTUNG

Der „eiskalte Analytiker“ Kissinger erkannte, dass er zur Erreichung seiner Ziele Moskau einerseits isolieren musste – daher 1972 die überraschende Öffnung der USA nach China – und andererseits mit einer Détente, einer Entspannungspolitik durch Abkommen zur Nuklearwaffenbegrenzung die Gefahr eines globalen Nuklearkrieges besser reduzieren sollte. Potzblitz, das hätte man ihm nicht zugetraut.

(N.B. Angesichts der gegenwärtigen Außenpolitik der USA eine geradezu unvorstellbare Strategie, die beweist, wie degeneriert und dämlich Biden, Blinken, Sullivan und Nuland sind.)

TÄTER UND TÄTER

Die Bundesrepublik Deutschland, offiziell reuig und um Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus bemüht, hatte ihren Wiederaufbau dank Heerscharen von Altnazis in Industrie und Behörden geschafft. Was natürlich kräftig unter den Teppich gekehrt wurde. „Deutsche“ Erfolgsgeschichten nach 1945, die von Schuld und Schande ablenkten, waren begehrt, verwiesen sie doch auf die großen Traditionen des „Volkes der Dichter und Denker“ und halfen, das arg ramponierte „Image“ aufzupolieren.

Henry Kissingers Weltruhm strahlte auch auf „uns“ ab und weil er seine Heimatstadt Fürth auf der Zunge und im Herzen trug, wie nicht nur sein Auftritt bei der Quizshow „Der Große Preis“ der deutschen Fernsehnation bewies, schwänzelten Politik und Medien um den „guten Deutschen“. Schließlich hatte Kissinger „uns verziehen“. Womit erneut (nach dem Fußball-WM-Sieg 1954) bewiesen wurde, dass wir wieder wer waren, offenbar die größte Sorge des Minderwertigkeitskomplex-beladenen West-Deutschlands in den 1970er Jahren.

(N.B. Ein weiteres Aushängeschild deutschen Talentes und Geistes mit dem Politik und Medien sich in der BRD brüsteten war Hitlers Raketenmann Wernher von Braun. Von der OSS zusammen mit anderen wichtigen Nazi-Größen vor dem Kriegsverbrechertribunal rechtzeitig in Sicherheit gebracht, sorgte unser Wernherle für leistungsfähige Interkontinentalraketen – wir erkennen die Qualität traditioneller deutscher Wiedergutmachung –, vor allem aber für den Sieg der amerikanischen Weltraumfahrt. Weil die Russen mit Sputnik 1 die Amis in Angst und Schrecken versetzten, musste der Triumph über den Kommunismus auch im Weltraum erfolgen.)

Kissinger Aussagen im National Security Archive für die Nachwelt erhalten (Quelle: Glenn Greenwald, System Update, Rumble, 02.12.23)

KRIMINELLER BERATER

Nach Ende seiner aktiven „diplomatischen Arbeit“ in zwei US-Administrationen wurde Kissinger Berater und vergoldete seinen politischen Erfahrungsschatz bis zum letzten Atemzug. Auch in dieser Profession leistete der Meister Blutrünstiges. Diese Aktivitäten sind allerdings weniger bekannt. Kissinger hatte es stets vermieden, seine Beratertätigkeit offenzulegen.

Noch einmal Greg Grandin:

Kissinger Associates war ein früher Akteur in der Privatisierungswelle, die nach Ende des Kalten Krieges in der ehemaligen Sowjetunion, Osteuropa und Lateinamerika stattfand. Er wirkte aktiv an der Schaffung einer neuen internationalen Oligarchen-Klasse mit. Als Regierungsmitglied hatte er Kontakte geknüpft, um damit eine der lukrativsten Firmen der Welt zu gründen. Nachdem er dem Watergate-Skandal entkommen war, nutzte er seinen Ruf als ,außenpolitischer Weiser’, um die öffentliche Debatte zu beeinflussen – zum Vorteil seiner Kunden, wie wir annehmen können. Kissinger war ein eifriger Befürworter der beiden Golf Kriege und arbeitete eng mit Präsident Bill Clinton zusammen, um NAFTA durch den Kongress zu bringen.“

Hier ein letztes Schmankerl seines selbstlosen Wirkens. Greg Grandin:

1975 unterstützte Kissinger als Außenminister in Zusammenarbeit mit der indischen Regierung Union Carbide bei der Errichtung einer Chemiefabrik in Bhopal und stellte deren Finanzierung durch die Vereinigten Staaten sicher. Nach der Giftgas-Katastrophe in dem Werk 1984 vertraten Kissinger Associates Union Carbide und handelten eine dürftige außergerichtliche Einigung für die Opfer des Lecks aus, das eine halbe Million Menschen äußerst giftigen Gasen aussetzte.“

FAZIT

Legen wir für die Opfer dieses psychopathischen Dreckstücks eine Schweigeminute ein und geloben feierlich, niemals wieder irgendeinem Arschloch auf den Leim zu gehen, dem unsere widerlichen Politikvollstrecker und ihre Systemmedien huldigen. Die „Helden und Idole“ einer bürgerlichen Gesellschaft sind ebenso verlogen und niederträchtig wie die Gesellschaft, die uns diese deformierten, willigen Vollstrecker als „Helden und Idole“ unterjubeln will.

Kissingers Dasein war und ist eine Blaupause für die Karrieren vieler „außenpolitischer Schwerverbrecher“, siehe z.B. Madeleine Albright oder Tony Blair und gemessen an seiner aktiven Beihilfe zum Jugoslawien-Krieg auch für die Karriere von Josef-Karl Fischer.

Schade, dass es keine Hölle gibt, in der du schmoren könntest, Henry.

Einen Fragenkomplex wirft das empathielose, mörderische, von Ehrungen überhäufte Leben des Heinz Alfred Kissinger noch auf: Welche Schuld trägt die Traumatisierung durch Judenhass und -verfolgung in der Kindheit an seinem Werdegang und was bedeutet das für uns „deutsche Gutmenschen“ heute?

LESETIPPS: The Price of Power von Seymour Hersh, Summit Books, New York, 1983; The Trial of Henry Kissinger von Christopher Hitchens, Verso Books, 2001

LINK: Ein langer Riemen über Kissinger in englischer Sprache …

https://www.huffpost.com/entry/henry-kissinger-dies_n_6376933ae4b0afce046cb44f

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